Jim Corbetts Haus in Kaladhungi, nun ein Museum
Jim Corbetts Haus in Kaladhungi, nun ein Museum

Als ich ungefähr 10 Jahre jung war, schenkte mir meine Oma Jim Corbetts Buch "Die Menschenfresser von Kumaon". Abends im Bett begann ich es zu lesen - und konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen. Immer wieder wurde ich ermahnt, endlich das Licht auszumachen, so las ich mit Hilfe einer Taschenlampe unter der Bettdecke weiter. Die Nacht wurde dann sehr unruhig, ich konnte nicht einschlafen, stellte mir vor, unter dem Bett läge ein Tiger! Seitdem hat mich Jim Corbett nie mehr losgelassen, ich las all seine Bücher und nehme sie immer wieder in die Hand. Wohl niemand in meinem Leben hat mich mehr beeindruckt und beeinflusst als Jim Corbett.

 
Nach dem Studium der Forstwissenschaften und anschliessender Referendarzeit zog ich zwar nicht nach Indien, jedoch in ein anderes faszinierendes Land: Südafrika. Ich lebe noch immer dort und veranstalte Safaris in fast alle Gegenden des wunderschönen Landes, besonders gerne natürlich in die Nationalparks wie Kruger, Addo und Kgalagadi, um nur einige zu nennen. 
Und immer wieder reise ich nach Indien, in die frühere Heimat Jim Corbetts, in die Distrikte Kumaon und Garhwal, sie liegen in der Provinz Uttarakhand. Dort hatte Jim Corbett den menschenfressenden Tigern und Leoparden nachgestellt. Das Gebiet befindet sich in der Vorbergzone des Himalaya, nach Nepal ist es nicht weit. Die Gegend ist herrlich, bei passendem Wetter kann man sogar in der Ferne die Bergkette des Himalaya sehen!
 
Jim Corbett ist noch immer allgegenwärtig, überall liest man seinen Namen. In einem seiner Wohnorte, Kaladhungi, wird jedes Jahr im Juli sein Geburtstag mit einem Fest gefeiert. Er wird beinahe verehrt wie ein Heiliger. Seine Bücher wurden immer wieder neu aufgelegt, das Werk 'Die Menschenfresser von Kumaon' wurde in 27 Sprachen übersetzt.
 
Am meisten fesselten mich…
 
Die Menschenfresser von Kumaon
Der Tempeltiger
Der menschenfressende Leopard von Rudraprayag
Mein Indien
 
Edward James (Jim) Corbett wurde am 25. Juli 1875 in Naini Tal geboren, seine Vorfahren lebten in der dritten Generation in Indien, sie stammten aus Dublin, Irland. Die meiste Zeit seines Lebens lebte er in Naini Tal (im Sommer), das Haus trägt den Namen 'Gurney House' und ist für Besichtigungen zugänglich, sowie in Kaladhundi (im Winter), das Haus ist nun ein Museum. Jim lebt bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Schwester Maggie, sie waren unzertrennlich, beide heirateten nie. 
 
Seit seiner frühesten Jugend zog es Jim Corbett in die Natur und er wurde ein begeisterter Jäger, mit dem erlegten Wild unterstützte er seine grosse Familie; sein Vater, Postmeister in Naini Tal, war gestorben als Jim noch sehr jung war. Er kannte sich in der Natur und mit den Gewohnheiten der Wildtiere so gut aus, dass die Behörden ihn riefen, wenn es Probleme mit menschenfressenden Tigern und Leoparden gab. Er sagte nie nein und brachte, oft unter größten Strapazen, die Menschenfresser zur Strecke. 
Nach Beendigung der Schule ging er direkt nach Bihar, wo er eine Stelle bei der Eisenbahn annahm. 23 Jahre arbeitete er für die Bahn, dazwischen ging er immer wieder auf Menschenfresserjagd, wenn er von den Behörden darum gebeten wurde.  
 
Die Jagd fiel in den Zeitraum von 1907 bis 1938, er erlegte 12 Tiger und Leoparden, die in den Distrikten Garhwal, Almora und Naini Tal für den Tod von über 1.500 Menschen verantwortlich waren. Als Corbett den ersten Menschenfresser erlegte, 1907, war er 31 Jahre alt, den letzten erlegte er 1946, über 70 jährig! Der erste Menschenfresser (1907), die Tigerin von Champawat, hatte in Nepal und Kumaon mindestens 436 Menschen verspeist. 1910 erlegte er den menschenfressenden Leoparden von Panar, auch dieser hatte um die 400 Menschen aufgefressen! In späteren Jahren tauschte er die Waffe gegen eine Filmkamera.
 
Jim Corbett tat sehr viel für den Erhalt der Natur, mit seiner Hilfe wurden die Grenzen für den ersten Nationalpark Indiens festgelegt. Am 15. August 1947 wurde Indien unabhängig und am 30. November verliessen Jim und Maggie Corbett das Land und liessen sich in Kenya nieder. Alle Engländer verliessen Indien, daher machte es für Jim und Maggie keinen Sinn, zurückzubleiben. "Wer wird uns einmal beerdigen, wenn wir bleiben?" Doch immer träumte er von Kumaon und gab insgeheim nie die Hoffnung auf, wieder dorthin zurückzukehren.
 
Corbett liess sich in Nyeri nieder und gründete ein Safariunternehmen, genannt Safariland. Am 5. Februar 1952 erhielt Jim Corbett die Nachricht, Prinzessin Elizabeth und Ehemann Philip, die gerade zu Besuch in Kenya weilten, würden ihn gerne zum Essen einladen. Er freute natürlich sehr über diese Ehre und durfte an der Tafel zwischen den beiden sitzen. Das Hotel trug den schönen Namen 'Tree Tops', es befand sich auf einer Plattform zwischen den Baumgipfeln. In dieser Nacht starb der König von England, Georg VI, der Vater von Prinzessin Elizabeth. Am folgenden Tag schrieb Jim Corbett in das Gästebuch "Zum ersten Mal in der Geschichte kletterte eine junge Prinzessin in einen Baum, hatte dort ihr aufregendstes Erlebnis, und kletterte am folgenden Tag herab als Königin - Gott schütze sie". Nach einem Herzanfall am 19. April 1955 starb Jim Corbett.
 
Der Nationalpark, welcher unter anderem Jim Corbett zu verdanken war, trug anfangs den Namen Hailey National Park, 1955 wurde er umgetauft in Ramganga National Park und zwei Jahre danach gab es eine weitere Namensänderung, seitdem heisst dieser wunderschöne Park CORBETT NATIONAL PARK.
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